Warum Autoren verreisen sollten

Da ich letzte Woche mit der Deutschen Bahn nach Bremen gereist bin, habe ich mich intensiver mit dem Thema Reisen für Autoren beschäftigt. Gibt es einige nützliche Nebeneffekte beim Reisen oder ist es sogar unerlässlich für einen Autor zu reisen und fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen?

Wenn ich einen Roman schreibe, der an Originalschauplätzen spielen soll in unserer Welt, halte ich es für eine Notwendigkeit diese Plätze zu besuchen. Denn nur was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe, kann ich auch dementsprechend beschreiben. Als erster Autor fällt mir hierzu Dan Brown ein. Seine Romane spielen oft an ganz besonderen und bekannten Plätzen. Mittlerweile gibt es in London Führungen auf Basis der Orte die Brown in seinen Thrillern verwendet. Spätestens jetzt würden dem Leser Ungenauigkeiten oder Fehler auffallen und sie wären nicht entschuldbar!

Ich habe ja das Glück einen Fantasyroman zu schreiben und somit wird niemand in der Lage sein zu den Schauplätzen meiner Geschichte zu reisen. Dennoch kann ich mir bei der Erschaffung meiner Welt viel auf der Erde abschauen. Ich benötige eine düstere Bergkulisse, die finde ich zum Beispiel in den schottischen Highlands, einen Fluss inmitten von dichtem Wald, kein Problem, die Amazonasregion. Natürlich kann ich nicht im Copy & Paste Prinzip einfach Landstriche kopieren und in meine Welt einfügen, aber ich kann mich inspirieren lassen und einzelne kleine Orte, die eine tragende Rolle in der Geschichte Spielen besser beschreiben, wenn ich ähnliche Orte schon einmal gesehen habe. Für mich macht es da auch einen großen Unterschied ob nur auf einem Bild oder ob ich selbst vor Ort war, da ich hier noch zusätzlich Gerüche und Geräusche aufnehmen kann. Nicht zuletzt sind vielen Menschen die stimmungsvollen Bilder aus Mittelerde, bzw. Neuseeland aus den Herr Der Ringe Filmen im Kopf geblieben.

Doch nicht nur die Natur kann ein lohnenswertes Ziel sein. Auch Städte, für mein Genre besonders mittelalterliche Städte können einen Eindruck vermitteln und als Recherche zählen. Wie war damals eine Stadt aufgebaut? Welche Gebäude kommen immer wieder vor? Da die Highfantasy meist in einer  mittelalterlichen Welt spielt, kann man sich hier sehr gut in Deutschland informieren. Es bedarf wohl wenig aufwand eine alte Stadt oder Burg in seiner Nähe zu finden um einen ersten Eindruck vom Leben im Mittelalter zu bekommen. Geht man hier einen Schritt weiter, so kann man verschiedene Kulturen verschiedenen Völkern zuordnen. Die Menschen ähneln meist stark der europäischen Kultur, während man einiges der Elben eher in der asiatische Kultur wiederfindet. Auch dank des Fanatsybooms gibt es immer mehr Mittelaltermärkte oder Ritterturniere, die man zu Recherchezwecken besuchen kann. Doch gerade hier ist Vorsicht geboten, da nicht alles historisch genau dargestellt wird. Für einen ersten Eindruck und um ein Bild in den Kopf zu bekommen reicht es auf jeden Fall aus.

Wer selbst mal in eine fantastische Geschichte eintauchen will, dem kann ich nur LARP empfehlen. Beim Live Action Role Playing trifft man sich mit vielen Gleichgesinnten, verkleidet sich und schlüpft in eine Rolle. Gemeinsam versucht man den Plot zu lösen und ans Ziel zu kommen. Dennoch sei auch gesagt, dass es einiges an Vorbereitungszeit benötigt. Man sollte die Grundregeln kennen und sich überlegen, wer man sein möchte. Für den Anfang tut es  eine unspektakuläre Figur. Wenn man aber intensiver dabei sein möchte, kommt noch einmal Zeit dazu um das eigene Kostüm herzustellen.

Neben Landschaften und Orten lernt man natürlich auf Reisen auch Menschen kennen. Diese können einem genauso als Inspiration für eine Figur dienen. Dies betrifft vor allem Menschen aus anderen Kulturen. Doch auch die Tatsache nur unterwegs zu sein, kann dabei helfen Menschen intensiver z studieren und zu beobachten, weil man gerade eh nichts anders zu tun hat. So ist eine Bahnreise sehr gut geeignet die unterschiedlichsten Charaktere auf engem Raum anzutreffen und direkt zu vergleichen. Wie reagieren sie auf den selben Umstand? Bei einer Zugverspätung tingelt der erste unruhig auf und ab. Der zweite schaut alle paar Sekunden auf sein Uhr. Ein weitere Reisende spricht wütend mit einem Angestellten der Bahn und regt sich maßlos auf. Der nächste sitzt etwas abseits und ist in sein Buch vertieft. Wie überall gilt für einen Autor: Beobachte deine Umgebung genau und du wirst Anregungen für dein Werk finden!

Abschließend sei gesagt, dass auch noch andere Gründe für das reisen sprechen. Man kann es auch nutzen um bewusst abzuschalten, eine Pause einzulegen oder einfach nur weil es Spaß macht. Ganz egal warum oder wozu ihr verreist, genießt die Zeit!

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