025 Magie was ein Autor denkt

Letzte Woche habe ich einen Leser zum Thema Magie interviewt. Diese Woche möchte ich das Thema aus den Augen eines Autoren beleuchten. Damit die Parallelen und Unterschiede zwischen der Ansicht eines Lesers und der eines Autors besser erkennbar sind, mache ich auch dies in Form eines Interviews. Ich freue mich sehr, dass mein geschätzter Kollege Christian Franz Josef Vollmer sich die Zeit genommen hat meine Fragen zu beantworten. Vielen Dank Christian!

Christian Münzinger: Hallo Christian. Zum Einstieg würde ich gerne wissen, in welcher Form du mit Fantasy bisher in Kontakt gekommen bist?
Christian F. J. Vollmer: Kontakt erhielt ich mehr oder weniger durch meine Frau! Bevor ich sie kannte, war dies alles schnöder Mumpitz und ich fand es albern. Dann verlor ich eine Wette und musste Harry Potter lesen… Als Jugendlicher habe ich den Herrn der Ringe gelesen, aber da war ich so 14 oder 15 Jahre alt, aber das war nicht unbedingt der Durchbruch. Der Harry war es. Dann wieder Herr der Ringe, Eragon und die ganz seichte High-Fantasy-Literatur. Inzwischen habe ich eine eigenständige Welt entwickelt!

Du liest also auch gerne ein Buch. Wie viele Fantasybücher hast du denn schon in etwa gelesen und welche Untergenres gefallen dir?
Ich arbeite noch viele Klassiker durch. Narnia steht zum Beispiel noch aus, und hoffe eigentlich jedes Mal, wenn ich meinen Kleiderschrank öffne, dass ich diese Welt betreten kann, damit ich es nicht lesen muss, weil noch so viele andere Bücher auf mich warten. Aber jetzt mal im Ernst. Es sind nicht so viele: Die Potter-Reihe, fast alles von Tolkien und diese Bücher dann mehrmals, glaube inzwischen dreimal das Silmarillon, den Hobbit und Herr der Ringe kann ich nicht mehr zählen. Aber auch die neue Generation von Fantasyautoren spricht mich an. Rothfuss, Brett, Hennen, wobei ich mich momentan umorientiere und mich mehr den deutschen nicht ganz so bekannten Fantasyautoren zuwende, da gibt es viele tolle Autoren. Kurz gesagt: Es müssten so um die 25-30 Bücher sein. Wie man an den Auotern erkennt: High-Fantasy und Urban-Fantasy, wobei man mich mit Gayromance und Fantaramonce oder wie das alles heißt jagen kann. Liebe ist schön und gut, aber zu viel….

Du schreibst ja auch selber Fantasy. Welches Untergenre und warum?
Regulär schreibe ich momentan an einem High-Fantasy-Roman. Ich glaube, das gibt mir die meisten Freiheiten und ich kann meine Welt so gestalten, wie ich es für richtig halte. Ich kann Wesen erschaffen und aussterben lassen, Völker erstehen lassen und sie vernichten. Ich bin so eine Art Gott, der auf seiner Welt tun  und lassen kann was er will. Das gibt einem das Gefühl von Macht. Wichtig dabei ist, dass es logisch und nachvollziehbar ist. Wobei mein Gott sehr fehlbar ist und eher der Mythologie der griechisch-römischen Götter nahe kommt. Momentan aber schreibe ich glaube ich an einem Urban-Fantasy-Roman mit Ansätzen der Satire, etwas seichtes und lustiges. Ich versuche mich gerade daran, nicht alles im Leben so ernst zu nehmen. Ich hoffe bis Ende der Sommerferien in Niedersachsen das Ding fertig zu haben. Bisher schreibt es sich von alleine. Sonst bleibt es bei den vielen Geschichten in meiner Welt

In vielen Fantasywerken nimmt Magie eine wichtige Rolle ein. Wie wichtig ist es für dich, dass Magie in einem Werk seinen Platz hat?
Magie! Zu viel ist schlecht, gar keine kann langweilig wirken. Es muss ein ausgewogenes System geben. Nicht jeder sollte Magie beherrschen können und am besten, man muss es erlernen, wenn man die Fähigkeit hat. Natürlich darf es nicht soweit gehen, dass Magie ganze Heere vernichten kann, sondern es muss schon Grenzen geben. So sollte ein Ritter schon die Chance haben einen Zauberer im Zweikampf zu besiegen. Wie gesagt es kommt auf die Ausgewogenheit an. Bei Eragon finde ich es am Ende dann doch zu heftig. Dafür bei Patrick Rothfuss mehr als nur gelungen. eine ganz neue Art der Magie. Für mich bisher das beste Magiesystem der letzten Jahrzehnte.

Braucht Fantasy überhaupt Magie?
Nicht unbedingt, bei Buchland von Markus Walte(Urban-Fantasy) ist es jedenfalls nicht von Nöten und es ist ein tolles Buch und bei Veronika Serwotka ist auch keine Magie vorhanden und da ist die Geschichte auch sehr gelungen. Ich glaube es kommt auf den Gegenspieler an. Ist er zu übermächtig, so dass man nicht glauben kann, dass es ohne Magie geht, sollte Magie vorhanden sein. Magie kann eine Geschichte killen oder ist halt das Salz in der Suppe, das die Suppe erst schmackhaft macht. Bei Herr der Ringe ist die Magie wichtig, sonst käme Gandalf nicht zurück und ohne Gandalf funktioniert die Vernichtung des Rings nicht. Wobei der Hexenmeister von Angmar nicht durch Magie getötet wird. Magie funktioniert dann, wenn sie durchdacht ist, sonst ist Magie auch in der Fantasy überbewertet!

Wenn du einen Wunsch hättest für die Entwicklung eines Magiesystems für eine neue Welt, was würdest du dir wünschen?
Puh! Sie muss erklärbar sein. Hier ist ganz wichtig, dass man nicht sagt, sie ist halt da!  Sondern es muss nachvollziehbar sein. Bei mir kommt die Magie auf die Welt, weil eine Art Gott sich mit einem Menschen gepaart hat und so die Magie in dem Kind mit gebunden wird.Hierbei ist die Magie natürlich nicht mit dem Gott gleichzusetzen. Wichtig ist egal wie, die Magie muss logisch sein. Ist sie unglaubwürdig, dann ist selbst die tollste Geschichte für mich nicht lesenswert.

Wie siehst du Magie beruhend auf den Elementen, wenn man die klassischen vier Elemente vielleicht auch noch weiter aufbricht in mehrere Teilelemente oder Rohstoffe?
Coole Idee!

Magie wird häufig auch mit Gestaltenwandlern verbunden, was hältst du davon?
Wie Frau McGonagall aus Harry Potter! An sich immer eine schöne und oft verwendete Idee. Muss nicht, aber kann. Wie gesagt kommt auf die Geschichte an, glaube aber wenn es durchdacht ist, kann es ein Buch beleben. Stelle mir gerade einen Assassinen vor. Attentat ausüben durch Magie, dann als Falke ungesehen davon fliegen. Hey und wieder eine Idee!

Magie hat oftmals eine Beschränkung in ihrer Anwendbarkeit. Ist das für dich sinnvoll und logisch?
Kommt auf die Geschichte an und was damit bezweckt wird. Bei mir ermüden die magischen Wesen und werden hungrig, damit sie ihre Magie nicht endlos benutzen können und auch Schwachpunkte haben. Somit immer eine sinnvoll Ergänzung zu Magie!

Sollte Magie nur einem beschränkten Kreis an Bewohnern der Fantasywelt zur verfügung stehen oder prinzipiell jedem?
Kommt auf die Geschichte an! Da sollte man sich nicht festlegen!

Muss der Protagonist selbst in der Lage sein Magie zu wirken?
Nö! Also kommt auf die Geschichte an. Wenn man den Gegenspieler nur mit Magie töten kann, sollte es der Protagonist schon können.

Und zum Schluss: Was war der bisher schlimmste Fall von Magie, dem du begegnet bist?
Eragon! So sehr ich die Geschichte um den Drachen geliebt habe, aber was mit der Magie dort getrieben wurde, war schon fest unsittlich. Am Ende ging es nur noch darum! Alles andere rückte in den Hintergrund. Dabei muss ich sagen, dass mir der erste und der zweite Band am besten gefallen hat. Manchmal ist weniger mehr! Aber wie gesagt, das sagt einer, der labbern kann wie ein Wasserfall! Alles Geschmacksache!

024 Magie was ein Leser denkt

Vor einiger Zeit habe ich das Thema Magie schon einmal bei meiner kleinen Serie zum Weltenbau angeschnitten. Da Magie ein durchaus interessantes, weites und vor allem für High Fantasy wichtiges Feld ist, werde ich nun genauer auf die Magie eingehen. Zum Einstieg in das Thema, möchte ich einen anderen Weg gehen. Mein jüngerer Bruder Sebastian hat sich bereit erklärt mir aus Sicht des Lesers (und Zuschauers) von Fantasy ein paar Fragen zum Thema Magie zu beantworten. Im Vorfeld schon mal vielen Dank für deine Zeit und die Antworten!

Christian: Hallo Sebastian. Zum Einstieg würde ich gerne wissen, in welcher Form du mit Fantasy bisher in Kontakt gekommen bist?
Sebastian: Eigentlich in fast allen Formen, die es gibt. Also geschrieben, als Buch, in Filmen und im Fernsehen und natürlich auch in Computerspielen und Rollenspielen.

Du liest also auch gerne ein Buch. Wie viele Fantasybücher hast du denn schon in etwa gelesen und welche Untergenres gefallen dir?
Wie viele ist jetzt eine gute Frage. 100 dürften es schon gewesen sein. Bei mir mischt sich das auch gerne mit Science Fiction, aber Fantasy lese ich schon am meisten. Zu den Untergenres muss es nicht unbedingt High Fantasy sein, weil ich das auf Dauer anstrengend finde. Gerne darf es auch Low Fantasy oder Urban Fantasy, wie Krieg der Engel von Hohlbein, sein. Um Romantasy mache ich einen Bogen.

In vielen Fantasywerken nimmt Magie eine wichtige Rolle ein. Wie wichtig ist es für dich, dass Magie in einem Werk seinen Platz hat?
Ich mag das sehr gerne. Ich möchte nicht soweit gehen, dass Magie ein muss ist, aber ich lese das schon sehr gerne. Ich finde es spannend darüber zu lesen und zu sehen, wie der Autor das mit der Magie gelöst hat, weil es gibt da ja doch verschiedene Ansätze.

Braucht Fantasy überhaupt Magie?
Eigentlich nicht unbedingt, meiner Meinung nach. Es ist natürlich auch eine Frage der Definition von Magie. Ich denke es kommt schon meistens vor in Fantasy, aber spontan hätte ich diese These abgelehnt. Wenn ich etwas genauer darüber nachdenke, trägt Magie meistens in irgend einer Art und Weiße das Ganze doch mit.

Was für Vorteile bringt Magie in einem Werk dir als Leser?
In erster Linie bringt es mir etwas, was ich in meinem Alltag nicht habe, was es auch nicht gibt und es ist sehr schön über so etwas zu lesen. Wenn man jetzt Harry Potter liest, wünscht man sich auch diese Fähigkeiten, damit ich jetzt nicht aufstehen müsste um die Fernbedienung zu holen. *lacht* Man kann einfach über etwas Übernatürliches, was man selbst gerne hätte oder könnte fabulieren.

Was muss Magie haben, damit sie dich überzeugt?
Sie muss auf jeden Fall in die Welt hineinpassen und im Einklang mit der Umgebung sein. Ich finde es besonders gut, wenn die Magie verschieden Aspekte gibt und nicht unbedingt jeder alles kann. Das finde ich gut.

Welcher Fehler kann für dich Magie haben?
Magie darf nicht alle Probleme lösen. Nahmen wir mal das Beispiel Herr der Ringe. Wenn man dort sich fragen würde, warum hat er (Gandalf; Anmerkung) nicht einfach den Ring genommen und in den Vulkan gezaubert. Wenn Magie also alle Probleme lösen könnte, sozusagen overpowered wäre, dann wär das sehr unglaubwürdig. Es macht ja dann auch keinen Sinn die Geschichte aufzuschreiben. Es wäre ja dann nur „Jetzt zaubert einer und fertig“.

Wenn du einen Wunsch hättest für die Entwicklung eines Magiesystems für eine neue Welt, was würdest du dir wünschen?
Da möchte ich wieder das von vorhin aufgreifen. Ich würde gerne verschiedene Aspekte, z.B. beruhend auf Elementen haben. Nicht jeder kann alles und das ganze ist balanced. *lacht* Das kommt wohl von meiner Computerspielerfahrung. Ich finde das sehr schön. Es darf gerne auch dunkle Magie enthalten sein, die aber nicht zwangsweise böse sein muss.

Es gibt ja unheimlich viele Arten von Magie. Welche Form fasziniert dich am meisten und warum?
Am meisten begeistert mich Elementarmagie. Zum einen durch meine Computerspielerfahrungen und zum anderen ist es sehr interessant, wenn aus den Grundelementen der Erde etwas übernatürliches geschaffen wird. Daneben finde ich noch Levitation noch cool, weil „schweben“. *lacht*

Wie siehst du Magie beruhend auf den Elementen, wenn man die klassischen vier Elemente vielleicht auch noch weiter aufbricht in mehrere Teilelemente oder Rohstoffe?
Hört sich interessant an. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zu viele Unterteilungen vornimmt, damit das nicht zu unübersichtlich wird. An sich finde ich das aber ein cool Idee, wenn es zum Beispiel bei Erde um Sand geht. Ich weiß nur nicht, ob man das jetzt bei allen Elementen gut noch einmal unterteilen kann.

Magie wird häufig auch mit Gestaltenwandlern verbunden, was hältst du davon?
Gefällt mir sehr gut. Man muss nur aufpassen, dass die Kreatur, in die sich ein Zauberer verwandelt noch zum Charakter passt. So ein kleiner Wicht-Zauberer, der gerade drei Sprüche kann, sollte sich nicht in einen mächtigen Drachen verwandeln können. Und natürlich sollte der Charakter auch sich in dem Wesen, in das er sich verwandelt, widerspiegeln. Ein grobschlächtiger Charakter sollte sich eher in einen Bären oder Wolf verwandeln.

Magie hat oftmals eine Beschränkung in ihrer Anwendbarkeit. Ist das für dich sinnvoll und logisch?
Die Beschränkung ist, wie oben erwähnt, sehr sinnvoll. Genauso wichtig wie die Beschränkung ist auch, dass diese Beschränkung auch logisch und schlüssig ist und in die Welt hineinpasst.

Wie kann für dich eine logische Beschränkung aussehen?
In Computerspiel ist das ja ganz einfach über Mana. Im Buch lässt sich das eher schwierig umsetzen. Was mir spontan einfällt ist, dass Magie an der Lebenskraft zehrt. Man kann Magie aber auch durch den Verbrauch von Ressourcen beschränken, wie in Herr der Ringe, dass Gandalf Holz zum Feuer machen braucht.

Sollte Magie nur einem beschränkten Kreis an Bewohnern der Fantasywelt zur verfügung stehen oder prinzipiell jedem?
Für mich ist beides denkbar. Klassisch ist es ja eher so, dass Magie nur wenigen zur Verfügung steht. Ich finde es aber durchaus interessant, wenn sie allen zur Verfügung steht. Ich glaube in diese Richtung habe ich bisher noch nichts gelesen.

Muss der Protagonist selbst in der Lage sein Magie zu wirken?
Von meiner Seite aus muss er das nicht. Er muss nicht einmal eine positive Einstellung zur Magie sein, da er in der Welt nicht mit allem zufrieden sein muss. Dennoch sollte er mit Magie in Kontakt treten,und sie sollte in seinem Leben eine Rolle spielen oder gespielt haben. Zum Beispiel könnte Magie der Auslöser des ganzen Plottes sein.

Und zum Schluss: Was war der bisher schlimmste Fall von Magie, dem du begegnet bist?
Da muss ich kurz überlegen. Spontan fällt mir da nur Star Wars Episode VII ein. Der Film ist bei dieser Frage nicht unangebracht. Die (Rey; Anmerkung) kann das alles plötzlich, wofür früher die Jedimeister ewig üben und lernen mussten. Das ist einfach im Kontext des Kanons unglaubwürdig und hat gestört.