Heraldik – ein Werkzeug für (Fantasy-) Autoren

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Kaum ein fantasybegeisterter Leser kennt es nicht: Das Wappen von Hogwarts. Doch nicht nur in Harry Potter, sondern auch in vielen anderen Werken wird der Leser mit Heraldik konfrontiert. Genau wie in der realen Welt, erfüllen diese Wappen meist eine wichtige Aufgabe. Doch warum gibt es eigentlich Heraldik und welche Rolle spielte sie in der Geschichte?

Schon sehr früh haben sich Heerführer in Asien und dem Mittleren Osten eigene Symbole auf Schilde und Fahnen. Dies haben dann auch die Grichen und Römer aufgegriffen. Eine tragende Bedeutung bekamen sie dann aber im Mittelalter. Stellt euch vor, ihr geht in euren Lieblingssupermarkt zu den Dosengetränken. Ihr sucht euer Lieblingsgetränkt, eine Dose Cola. Leider sind die Regale nicht beschriften und die Dosen haben keinerlei Etikett, ihr seht also nur hunderte von silbernen Dosen. So ähnlich hätten sich wohl die Ritter in einer Schlacht gefühlt ohne Heraldik. Die Rüstungen waren auf die schnelle nicht zu unterscheiden und das eigene Überleben hing davon ab, seine Feinde frühzeitig zu erkennen und von seinen Freunden als Freund erkannt zu werden.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich eine Vielzahl von Schilden, da jeder Ritter ein individuelles Wappen wollte. Dies führte zu zunehmender Verwirrung, gerade während des ersten Kreuzzuges. So etablierten sich Erbschilde und bereits die zweiten Kreuzfahrer führten voller Stolz die gleichen Wappen in die Schlacht, wie ihre Vorfahren. Fortan fanden sie auch bei Turnieren eine Verwendung. Denn mit dem Wappen konnte schnell jeder Ritter seinem Haus zugeordnet werden.

Im Anschluss daran, in der Renaissance, erfüllten die Wappen vor allem eine Aufgabe. Sie erlaubten den meist analphabetischen Rittern die Zuordnung von Dokumenten. Da es jedoch eine Vielzahl von Wappen gab, entstand das Amt des Herolds. Ein Herold war eine „Datenbank“ für Wappen und sollte die Übersicht über die Wappen behalten und sie identifizieren können. Auch wurden nun die Wappen auf immer mehr Bereiche übertragen und sie verloren mehr und mehr die rein militärische Bedeutung. Auch bürgerliche Wappen kamen in Mode. Sie wurden oftmals von Kaufleuten oder anderen einflussreichen Bürgern an die eigene Familie gestiftet. So konnte der wichtige Schriftverkehr beglaubigt werden. Auch ich habe das Glück ein eigenes und historisches Familienwappen führen zu dürfen. Meine Vorfahren waren Münzschläger, was sich auch im Wappen (und meinem Namen) widerspiegelt. Und damit ihr euch jetzt selbst ein Bild meines Familienwappens machen könnt, hier ist es:

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Ich persönlich finde so eine Familiengeschichte sehr faszinierend. Eifrige Follower meiner Social-Media-Kanälen haben bestimmt schon ein Bild von meinem eigenen Wappenring gesehen.

Wie bereits oben angesprochen kommen auch in Fantasywerken Wappen vor. Diese sind meist allerdings auf den Ursprung der Heraldik reduziert. Oftmals ist es ein einfaches Schild mit einem Wappen oder Symbol. Das reicht für Fantasywelten auch vollkommen aus, um dem Leser eine Information mit zu geben, ohne ihn aber zu überfordern. Wappen werden oftmals dazu eingesetzt um bestimmte Eigenschaften einer Gruppe von Personen oder Wesen zu transportieren. Betrachten wir nocheinmal das Wappen von Hogwarts:

Es ist aufgebaut aus 5 einzelnen Wappen. In der Mitte steht einfach nur ein „H“ für Hogwarts. Das ist noch nicht so spektakulär. Interessanter wird es, wenn wir uns die einzelnen Wappen der vier Häuser anschauen. Jeweils ein Tier steht für ein Haus und soll auch die wichtigsten Eigenschaften der Schüler des jeweiligen Hauses zeigen. Da hätten wir die durch einen Adler repräsentierten Ravenclaws. Der Adler, wie auch die Ravenclaws stehen für ausdrücklich hohe Intelligenz. Huffelpuff wird durch einen Dachs repräsentiert. Dieser steht vor allem für Fleiß und Durchhaltevermögen, genau wie die Huffelpuffs. Die zwei weiteren Häuser besitzen deutlich offensichtlichere und bekanntere Wappentiere. Auf der einen Seite die Schlange für Slytherin. Sie steht für das „Böse“, List, Ehrgeiz und Stolz. Der große Konkurrent Gryffindor wird durch einen Löwen repräsentiert. Mutig, Stark, mächtig sind seine Eigenschaften.

Auch in vielen anderen bekannten Werken taucht Heraldik auf. Ob in Herr der Ringe, Game of Thrones, sie versorgen stets den Leser, oft unterbewusst, mit einer Information, da wir automatisch bestimmte Symbole mit einer Bedeutung verbinden.

Wie wir sehen, unterstützen die Wappen der Häuser die Charaktere der Protagonisten. Dies ist ein schönes Beispiel, wie sinnvoll es sein kann, auf einfache Wappen in einem Buch zurückzugreifen um dem Leser Informationen zu geben, ohne dass die der Leser als Infodump brandmarkt. Wappen sind also, richtig eingesetzt, ein mächtiges Werkzeug für (Fantasy-)Autoren. Und nun viel Spaß beim Erstellen eigener Wappen für die eigene Fantasywelt!