Bücher sind keine Discounterware!

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, dass mir sehr am Herzen liegt. Wenn ich momentan meine Social-Media-Kanäle aufsuche, bietet sich mir überall das gleiche Bild. Gefühlt ist es jetzt vor Weihnachten noch schlimmer als das restliche Jahr über. Ich kann es aber nicht mehr sehen:

„Nur heute im Kindle-Deal Buch xy für 0,99 €“

„Heute gibt es Buch xy ermäßgt als Dankeschön für euch Leser!“

„Nur für kurze Zeit zur Einführung von Band 2 der erste Band für euch fast kostenlos!“

„Mein Buch ist jetzt bei den Amazon Kindle Christmas Deals erhältlich“

In meinen Augen ist dies ein sehr gefährlicher Trend in der Buchwelt – sowohl für Autoren, aber auch für Leser und Verlage. Dieser geht mit der Abkehr vom klassischen Buch und der damit verbundenen Digitalisierung der Bücherwelt einher. Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin kein Gegner von E-Books oder allgemein der Digitalisierung. Sie bietet ja auch immense Vorteile. Und ich kann jeden Leser verstehen, der lieber tausende E-Books mit einem Gewicht von insgesamt 500 Gramm besitzt, als 100 Bücher mit je 500 Gramm. Jeder der einen Umzug mit vielen Büchern hinter sich hat, wird sich schon mit der Frage Buch oder E-Book beschäftigt haben. Dennoch sehe ich den Preiskampf, der momentan vor Weihnachten auch den E-Book-Markt fest im Griff hält sehr kritisch.

Warum sollte ein E-Book weniger als ein klassisches Buch kosten? Das teuerste und wertvollste Stück Arbeit an einem Buch ist in meinen Augen die Arbeit des Autors! Diese Arbeit sollte einfach auch wertgeschätzt werden und dementsprechend vergütet werden. E-Books unterscheiden sich im Hinblick auf die Kosten, bis auf die Druckkosten nicht wesentlich von einem klassischen Buch, vor allem wenn es ein Buch sowohl als E-, wie auch als Printbuch gibt. Setzt man die Druckkosten mit circa 2 € pro Buch an, so rechtfertigt dies nur einen ebensogroßen Preisunterschied. Oftmals liegen aber 8-10 € zwischen E-Book und Printbuch. Während einer Preiskampagne kann die Differenz noch größer werden.

Auch gibt es immer noch ein und dasselbe E-Book, dass dank einem veränderten Cover oder ähnlichen Tricksereien in unterschiedlichen Verkaufskanälen unterschiedliche Preise hat. Dies ist, trotzt der diesjährigen Reform der Buchpreisbindung, nach wie vor möglich. Ich befürchte dadurch auf dem E-Book-Markt auf lange Sicht eine noch intensivere Preischlacht, wo es nur eine Handvoll Gewinner (Amazon, Thalia,…) und viele Verlierer (Autoren, Verlage, Leser) geben wird.

Liebe Autoren, mir stellt sich dann immer die Frage: Ist euer Buch wirklich so schlecht, dass ihr es fast schon herschenken müsst, um überhaupt einen Leser zu haben? Ich will mal einfach sehr provokant sein und beantworte diese Frage mit einem Klaren: Es muss wohl so sein! Wenn ich von meinem Werk überzeugt bin und weis, wie viel Zeit, Liebe und Geduld ich dahinein investiert habe, möchte ich doch auch, dass andere dieses Werk wertschätzen und es nicht eines von 10 Büchern ist, die irgendwer für 0,99 € kauft, von Acht nur die erste Seite liest, ein Weiteres nach dem ersten Kapitel weglegt und nur eines davon wirklich bis zum Ende liest. Ist das euer Antrieb? Geht es euch so sehr ums Geld? Vielleicht bin ich da einfach zu idealistisch oder altmodisch eingestellt. Aber für mich gilt immer noch die Devise: Ein gutes Produkt darf auch etwas kosten!

Was sagt ihr Lesern, die das gleiche Buch teuer kauften und am nächsten Tag haut ihr es bei einer Preisaktion raus? Ich finde das ganz und gar nicht fair! Für mich ist das kein Dankeschön an die Leser, sondern ein Anreiz für alle bisher Nicht-Leser. Für Leser ist das erstmal ein Schlag ins Gesicht mit der Aussage, du bis so dumm, du hast dir das Buch noch teuer gekauft!

Meiner Ansicht nach sollten E-Books und Printbücher gleich viel kosten. Die gleichen Preise könnten dadurch gerechtfertigt werden, dass E-Books es deutlich einfacher machen Raubkopien anzufertigen, an denen dann ein Autor gar nichts mehr verdient.

Ich für meinen Teil werde mir in Zukunft noch sehr genau überlegen, welche Bücher ich kaufe. Autoren, die ständig Preisaktionen auf E-Books haben, werde ich wohl demnächst nicht mehr berücksichtigen, weil ich nur das erwarte, was sie mir mit diesem Verhalten zeigen: Ramschware ohne Niveau und Qualität. Auch werde ich weiter meine Meinung vertreten für die gleichen Preise von Print und E-Book.

Jetzt hoffe ich einfach mal, dass nach Weihnachten die Preisaktionen wieder nachlassen und dass ich mich in manchen Punkten irre. Ich würde es mir sehr wünschen. Jedenfalls werde ich definitiv kein Buch kaufen, dass gerade jetzt vor Weihnachten irgendwo vergünstigt Angebote wird. Meine Wunschliste habe ich dementsprechend schon angepasst.

One thought on “Bücher sind keine Discounterware!

  1. Auf den Punkt gebracht und eine wie auch ich finde, wichtige Thematik gut zusammengefasst! 🙂 Ich sehe es genauso wie du! Die Arbeit und Leidenschaft eines Autors sollte wirklich anständig honoriert werden. Auch ich habe Ebooks für 0,99 Euro gekauft, weil sie mich interessierten, würde aber jederzeit auch mehr dafür bezahlen. Warum auch nicht?! Es ist doch wie in jedem anderen Job auch: gute Arbeit sollte anständig belohnt werden! lg Nadine von Nannis Welt

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