Magie ist… was ein Leser denkt

024 Magie was ein Leser denkt

Vor einiger Zeit habe ich das Thema Magie schon einmal bei meiner kleinen Serie zum Weltenbau angeschnitten. Da Magie ein durchaus interessantes, weites und vor allem für High Fantasy wichtiges Feld ist, werde ich nun genauer auf die Magie eingehen. Zum Einstieg in das Thema, möchte ich einen anderen Weg gehen. Mein jüngerer Bruder Sebastian hat sich bereit erklärt mir aus Sicht des Lesers (und Zuschauers) von Fantasy ein paar Fragen zum Thema Magie zu beantworten. Im Vorfeld schon mal vielen Dank für deine Zeit und die Antworten!

Christian: Hallo Sebastian. Zum Einstieg würde ich gerne wissen, in welcher Form du mit Fantasy bisher in Kontakt gekommen bist?
Sebastian: Eigentlich in fast allen Formen, die es gibt. Also geschrieben, als Buch, in Filmen und im Fernsehen und natürlich auch in Computerspielen und Rollenspielen.

Du liest also auch gerne ein Buch. Wie viele Fantasybücher hast du denn schon in etwa gelesen und welche Untergenres gefallen dir?
Wie viele ist jetzt eine gute Frage. 100 dürften es schon gewesen sein. Bei mir mischt sich das auch gerne mit Science Fiction, aber Fantasy lese ich schon am meisten. Zu den Untergenres muss es nicht unbedingt High Fantasy sein, weil ich das auf Dauer anstrengend finde. Gerne darf es auch Low Fantasy oder Urban Fantasy, wie Krieg der Engel von Hohlbein, sein. Um Romantasy mache ich einen Bogen.

In vielen Fantasywerken nimmt Magie eine wichtige Rolle ein. Wie wichtig ist es für dich, dass Magie in einem Werk seinen Platz hat?
Ich mag das sehr gerne. Ich möchte nicht soweit gehen, dass Magie ein muss ist, aber ich lese das schon sehr gerne. Ich finde es spannend darüber zu lesen und zu sehen, wie der Autor das mit der Magie gelöst hat, weil es gibt da ja doch verschiedene Ansätze.

Braucht Fantasy überhaupt Magie?
Eigentlich nicht unbedingt, meiner Meinung nach. Es ist natürlich auch eine Frage der Definition von Magie. Ich denke es kommt schon meistens vor in Fantasy, aber spontan hätte ich diese These abgelehnt. Wenn ich etwas genauer darüber nachdenke, trägt Magie meistens in irgend einer Art und Weiße das Ganze doch mit.

Was für Vorteile bringt Magie in einem Werk dir als Leser?
In erster Linie bringt es mir etwas, was ich in meinem Alltag nicht habe, was es auch nicht gibt und es ist sehr schön über so etwas zu lesen. Wenn man jetzt Harry Potter liest, wünscht man sich auch diese Fähigkeiten, damit ich jetzt nicht aufstehen müsste um die Fernbedienung zu holen. *lacht* Man kann einfach über etwas Übernatürliches, was man selbst gerne hätte oder könnte fabulieren.

Was muss Magie haben, damit sie dich überzeugt?
Sie muss auf jeden Fall in die Welt hineinpassen und im Einklang mit der Umgebung sein. Ich finde es besonders gut, wenn die Magie verschieden Aspekte gibt und nicht unbedingt jeder alles kann. Das finde ich gut.

Welcher Fehler kann für dich Magie haben?
Magie darf nicht alle Probleme lösen. Nahmen wir mal das Beispiel Herr der Ringe. Wenn man dort sich fragen würde, warum hat er (Gandalf; Anmerkung) nicht einfach den Ring genommen und in den Vulkan gezaubert. Wenn Magie also alle Probleme lösen könnte, sozusagen overpowered wäre, dann wär das sehr unglaubwürdig. Es macht ja dann auch keinen Sinn die Geschichte aufzuschreiben. Es wäre ja dann nur „Jetzt zaubert einer und fertig“.

Wenn du einen Wunsch hättest für die Entwicklung eines Magiesystems für eine neue Welt, was würdest du dir wünschen?
Da möchte ich wieder das von vorhin aufgreifen. Ich würde gerne verschiedene Aspekte, z.B. beruhend auf Elementen haben. Nicht jeder kann alles und das ganze ist balanced. *lacht* Das kommt wohl von meiner Computerspielerfahrung. Ich finde das sehr schön. Es darf gerne auch dunkle Magie enthalten sein, die aber nicht zwangsweise böse sein muss.

Es gibt ja unheimlich viele Arten von Magie. Welche Form fasziniert dich am meisten und warum?
Am meisten begeistert mich Elementarmagie. Zum einen durch meine Computerspielerfahrungen und zum anderen ist es sehr interessant, wenn aus den Grundelementen der Erde etwas übernatürliches geschaffen wird. Daneben finde ich noch Levitation noch cool, weil „schweben“. *lacht*

Wie siehst du Magie beruhend auf den Elementen, wenn man die klassischen vier Elemente vielleicht auch noch weiter aufbricht in mehrere Teilelemente oder Rohstoffe?
Hört sich interessant an. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zu viele Unterteilungen vornimmt, damit das nicht zu unübersichtlich wird. An sich finde ich das aber ein cool Idee, wenn es zum Beispiel bei Erde um Sand geht. Ich weiß nur nicht, ob man das jetzt bei allen Elementen gut noch einmal unterteilen kann.

Magie wird häufig auch mit Gestaltenwandlern verbunden, was hältst du davon?
Gefällt mir sehr gut. Man muss nur aufpassen, dass die Kreatur, in die sich ein Zauberer verwandelt noch zum Charakter passt. So ein kleiner Wicht-Zauberer, der gerade drei Sprüche kann, sollte sich nicht in einen mächtigen Drachen verwandeln können. Und natürlich sollte der Charakter auch sich in dem Wesen, in das er sich verwandelt, widerspiegeln. Ein grobschlächtiger Charakter sollte sich eher in einen Bären oder Wolf verwandeln.

Magie hat oftmals eine Beschränkung in ihrer Anwendbarkeit. Ist das für dich sinnvoll und logisch?
Die Beschränkung ist, wie oben erwähnt, sehr sinnvoll. Genauso wichtig wie die Beschränkung ist auch, dass diese Beschränkung auch logisch und schlüssig ist und in die Welt hineinpasst.

Wie kann für dich eine logische Beschränkung aussehen?
In Computerspiel ist das ja ganz einfach über Mana. Im Buch lässt sich das eher schwierig umsetzen. Was mir spontan einfällt ist, dass Magie an der Lebenskraft zehrt. Man kann Magie aber auch durch den Verbrauch von Ressourcen beschränken, wie in Herr der Ringe, dass Gandalf Holz zum Feuer machen braucht.

Sollte Magie nur einem beschränkten Kreis an Bewohnern der Fantasywelt zur verfügung stehen oder prinzipiell jedem?
Für mich ist beides denkbar. Klassisch ist es ja eher so, dass Magie nur wenigen zur Verfügung steht. Ich finde es aber durchaus interessant, wenn sie allen zur Verfügung steht. Ich glaube in diese Richtung habe ich bisher noch nichts gelesen.

Muss der Protagonist selbst in der Lage sein Magie zu wirken?
Von meiner Seite aus muss er das nicht. Er muss nicht einmal eine positive Einstellung zur Magie sein, da er in der Welt nicht mit allem zufrieden sein muss. Dennoch sollte er mit Magie in Kontakt treten,und sie sollte in seinem Leben eine Rolle spielen oder gespielt haben. Zum Beispiel könnte Magie der Auslöser des ganzen Plottes sein.

Und zum Schluss: Was war der bisher schlimmste Fall von Magie, dem du begegnet bist?
Da muss ich kurz überlegen. Spontan fällt mir da nur Star Wars Episode VII ein. Der Film ist bei dieser Frage nicht unangebracht. Die (Rey; Anmerkung) kann das alles plötzlich, wofür früher die Jedimeister ewig üben und lernen mussten. Das ist einfach im Kontext des Kanons unglaubwürdig und hat gestört.

Rezension: Gestohlene Vergangenheit (Die Immergrün Saga 1)

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Gestohlene Vergangenheit ist der Debütroman von Sylvia Steele. Das Buch ist genau heute, am 01.06.2016 im Talawah Verlag erschienen. Ich habe das Buch vorab als kostenloses Rezensionsexemplar im E-Book-Format bekommen. Dafür vielen Dank! Dieser Umstand beeinflusst meine persönliche Meinung über das Buch nicht.

Der Verlag ordnet das Buch unter Dark Romantasy ein. Dies war bisher ein für mich unbekanntes Genre und ich war sehr gespannt, ob ich damit etwas anfangen kann, denn Romantasy habe ich bisher auch noch nicht gelesen. Meine Vorstellung davon reichte irgendwie von Rosamunde Pilcher mit Vampiren bis hin zu Twilight…ich hatte also nicht wirklich eine Vorstellung, was mich erwartet. Das Buch umfasst 450 Seiten und ist sowohl als Printausgabe, als auch als E-Book erhältlich.

Klappentext*

„Weißt du, wie lang ich schon nach dir suche? Wie viele Jahrhunderte? Du bist meine Frau.“

Alisha ahnt während der Party zu ihrem 18. Geburtstag nicht, dass die Worte des mysteriösen Unbekannten mehr Wahrheit beinhalten als sie glauben will.
Als Alisha am nächsten Tag mithilfe ihres geheimnissvollen Exfreundes David nur knapp einem Überfall entkommt, spürt sie, dass nichts mehr so sein wird, wie es war. Welche Rolle spielt David, der sie verletzt in das Haus ihres Großvaters bringt, und was versucht er vor ihr zu verbergen?
Noch weiß Alisha nicht, welch übermächtiger Feind ihr nach dem Leben trachtet, welch düstere Geheimnisse in den Schatten der Vergangenheit verborgen liegen.

Kritik

Der Einstige in die Geschichte ist mir persönlich schwer gefallen. Das lag aber vor allem daran, dass Liebesromane und Romantasy nicht zu meiner bevorzugten Literatur gehören. Gerade auf den ersten Seiten liegt darauf das Hauptaugenmerk, bevor die Geschichte durch Fantasyanteile und Action Fahrt auf nimmt. Im Verlauf der Story blicken immer wieder romantischen Szenen durch, was mir persönlich etwas zu viel des Guten ist, aber bei dem Genre darf man sich darüber wohl kaum beklagen, zumal ich es mir schlimmer  vorgestellt habe.

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Besonders gefallen mir die vielen detailreichen Beschreibungen der Figuren. Dabei verwendet die Autorin die Ich-Erzählperspektive, die zwischen Alisha und David wechselt. Dadurch gelingt es ihr das Innenleben von beiden Personen gut darzustellen. So erlangt man viele Einblicke in ihre Gefühle und kann die Handlungen gut nachvollziehen.
Das Buch liest sich flüssig und man begegnet wenig fremdartigen Begriffen und Namen, was ich besser finde, als wenn man damit überhäuft wird. Dennoch habe ich mir an der ein oder andern Stelle gewünscht mehr über die Welt zu erfahren und mehr Details zu entdecken. Die Beschreibungen der Umgebung und Orte hätte durchaus ausführlicher sein können.
Beim Lesen ist mir relativ häufig  der Satz „er legte einen Arm um meine Mitte“ aufgefallen. Hier hätte man die häufig vorkommende Handlung abwechslungsreicher beschreiben könne oder auch immer mal wieder eine andere Geste einbauen können.

Die Charaktere sind toll und ebenso, wie die Welt sehr liebevoll ausgestellte. Aufgrund der Erzählperspektive fällt es natürlich schwer eine Bindung zu anderen Figuren außer Alisha und David aufzubauen. Ich konnte mich mit keinem der beiden so richtig anfreunden, hätte dafür gerne mehr über die ein oder andere Nebenfigur erfahren, da sie mir interessanter erscheint. Dennoch sind die Entscheidungen und Motive aller Figuren nachvollziehbar. Vor allem die Entwicklung der Protagonistin Alisha ist toll dargestellt.

Der Spannungsbogen des Buches gefällt mir sehr gut. So setzt sich zum Beispiel langsam das Puzzle zusammen in was für einer Welt bzw. Zukunftsszenario die Geschichte spielt. Gerade dies Welt hat mich doch sehr fasziniert. Das einzige was mich an diesem Setting verwundert ist, dass etliche Jahre später die Protagonistin andauernd Vergleich zu heute aktuell bekannten Werken zieht. Ich denke nicht, dass in 80 Jahren noch in dieser Häufigkeit auch Parallelen zu eher mittelmäßigen Filmen gezogen werden. Diese Vergleiche hat die Autorin in meinen Augen auch gar nicht nötig! Einige verwendete Motive wie „Dreiecksbeziehung“,  oder „Wiedergeburt der Persönlichkeiten Jahre später“, kamen mir aus verschiedenen anderen Werken bekannt vor. Dennoch hat es mich meistens nicht gelangweilt, da sie neu zusammen gesetzt wurden und die persönliche Note  der Autorin stets erkennbar war.

Fazit

Nachdem ich das Buch bisher nur als E-Book besitze, werde ich es mir auf jeden Fall noch selber kaufen und meinem Regal zuführen.  Die Einordnung des Buches bereitet mir Schwierigkeiten. Es ist weder High Fantasy, noch Dark Fantasy, noch Romantasy obwohl es aus allen drei Subgenres Elemente enthält. Somit ist für jeden Liebhaber aus einem der angesprochenen Genres etwas gegeben. Für mich überwiegen die Stärken des Buches, vor allem des Erzählstiles der Autorin. Dennoch wird es bei meiner Bewertung etwas Opfer seines Genremix. Mir sind die romantischen Szenen, gerade am Anfang etwas zu ausufernd und langatmig. Wem dies gefällt, der wird das Buch toll finden. Bei mir reicht es dadurch aber (nur) für 3 von 5 Punkten.

 

*Quelle: Talawah Verlag