Rezension: Der Herr des Feuers

Der Herr des Feuers ist ein Roman von Adrian Leschek. Dieser ist im blanvalet-Verlag am 15.02.2016 erschienen. Es handelt sich um das erste Buch von Adrian Leschek für Erwachsene. Unter anderem Pseudonymen hat er schon erfolgreich eine jüngere Leserschaft begeistert.

Erster Eindruck

Das Buch gibt es sowohl als Taschenbuch, als auch als E-Book. Die Printausgabe umfasst 448 Seiten. Das Cover ziert mittig ein Dolch gekreuzt mit einer Feder in weiß. Diese Anordnung ist sogar geprägt und erhebt sich leicht aus dem Cover. Das restliche Cover ist in dunklem Blau gehalten, an den Rändern links und rechts eine Feuerschale mit Feuer. Mich spricht das Cover definitiv an und es nimmt wichtige Bestandteile des Buches auf. Eine gute Wahl.

Inhalt

Dolch ist ein Assasine Arakands. Er mordet im Auftrag des Glaubens für den Gottkaiser, der alleine im Stande ist, die gesamte Welt vor der zerstörerischen Kraft der Sonne zu retten. Sein Auftrag ist klar. Er soll Ketzer töten, die mit Hilfe der Mathematik die göttliche Ordnung in Frage zu stellen, gerade jetzt, da der Gottkaiser bald wieder zur Tat schreiten muss. Beim ersten Versuch scheitert Dolch an dieser Aufgabe und muss nun beenden, was er begonnen hat. Doch auf seiner Jagd werden seine Fähigkeiten und sein Glauben auf eine harte Probe gestellt. Ohne fremde Hilfe ist selbst er machtlos.

Zitat des Buches

„Du musst wirklich vollkommend verrückt sein, Krüppel. Vollkommen wahnsinnig!“
„Dieser Wahn hat mich am Leben gehalten, Dolch. Ein gutes Argument dafür, ihn möglichst nicht aufzugeben, auch wenn ich inzwischen ja in einigen Punkten durchaus kompromissfähig geworden bin. […]“

Kritik

Der Protagonist ist der Assasine Dolch. Um ihn dreht sich auch die gesamte Geschichte. Von Zeiten wechselt der Autor die Erzählperspektive, vor allem um Dolchs „Ziel“ und dessen Absichten und Schritte, mit denen er seine Flucht vorantreibt, dem Leser näherzubringen. Während die Handlungen von Dolch oft vorhersehbar sind, gestaltet sich das bei seinem Widersacher deutlich schwieriger und er kann für den ein oder anderen überraschenden Moment sorgen. Ich konnte mich auch deutlich mehr mit dem Widersacher, als dem Protagonisten anfreunden und wünschte mir gar, der Protagonist würde scheitern.

Das Thema des Romans ist klar der Kampf des Glaubens gegen die Wissenschaft. Die Wissenschaft ist in der Lage die gesamte Weltordnung des Glaubens in Frage zu stellen, während der Herrscher alles daran setzt diese Ordnung zu bewahren. Die Umsetzung ist dabei sehr gut gelungen und hat bei mir das Interesse geweckt, das Buch mit unserer eigenen Geschichte zu vergleichen. Aufgrund dieser parallelen ist der Plot und der Konflikt sehr gut nachzuvollziehen und ich habe mich dadurch sowohl unterhalten, als auch informiert gefühlt. Dennoch dauerte es eine Zeit lang, bis ich im Buch angekommen bin und der Plot klar erkennbar war. Hier wären gerade am Anfang weniger Perspektivwechsel sinnvoll gewesen.

Der Schreibstil Lescheks ist flüssig und lebendig. Gerade die Gefühle und Gedanken des Protagonisten stellt er sehr gut dar. Die Welt dagegen kommt mir etwas zu kurz und hinterließ ein paar offene und nicht harmonierende Punkte. Es wäre schön gewesen, wenn ich noch mehr über die Welt und die Stadt erfahren hätte. So bleibt vieles im Dunkeln. Dennoch sind hier einige tolle Ideen und Ansätze dabei, die es in dieser Form noch nicht gab. Es ist schön, dass der Autor hier sehr kreativ war. Gerade deswegen wären etwas ausführlichere Erklärungen sinnvoll gewesen.

Der Erzählstil vermittelt einen sehr rationalen Eindruck, was mir persönlich gut gefällt. Auch die Welt scheint weitestgehend rational zu sein, soweit der Glaube sich nicht davor schiebt. Leider wiederholt der Autor einige Fakten fast gebetsmühlenartig bei jeder Entscheidung oder jedem Gefühl des Protagonisten. Dies hat mit der Zeit zu einer kleinen Ermüdung beim lesen bei mir geführt.

Enttäuscht war ich vom Ende. Es hat zwar durchaus noch einmal eine unerwartet Wendung genommen, allerdings war es für meinen Geschmack sehr plötzlich. Anfangs zieht sich alles recht lang und viele Wege werden ausführlich beschrieben. Dies wird am Ende total aufgegeben und es scheint fast so, als ob der Autor schnellst möglich das Buch zu Ende bringen möchte. Hier hätte ich mir gerne die gleiche Liebe und Sorgfalt, wie im restlichen Buch gewünscht.

Fazit

Trotz einiger für mich negativen Punkte, überwiegt die Qualität des Buches. Es lässt sich flüssig lesen und bietet einen tollen Einblick in unsere eigene Geschichte. Gerade für geschichtsbegeisterte Fantasyleser, kann das Buch eine Freude sein.

Alles in allem gebe ich dem Buch 3 von 5 Punkten.