Rezension: Wyvern – Das Streben des Jägers

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen. Das Lesen und Analysieren fremder Werke ist eine wichtige Aufgabe für eine Autor. Deshalb werde ich euch in Zukunft öfters ein Buch vorstellen, das ich gelesen habe. Gerade unbekannte Autoren haben oft sehr gute Bücher vorzuweisen, die leider unbekannt sind.

Ich habe Wyvern – Das Streben des Jägers innerhalb von zwei Tagen gelesen und war daraufhin so begeistert von diesem Buch, dass ich es direkt nochmal gelesen habe. Veronika Serwotka ist damit ein gelungener Start in ihre High Fantasy Trilogie genauso gelungene wie dem Talawah Verlag, der damit sein erstes Buch veröffentlicht hat. Das Buch ist seit 1. März 2016 erhältlich. Ich selbst habe es mir beim Buchhändler meines Vertrauens gekauft. Aufmerksam auf das Buch bin ich über Facebook geworden.

Erster Eindruck

Das Buch gibt es sowohl als Taschenbuch, als auch als E-Book. Die Printausgabe umfasst 385 Seiten. Das Cover ist in Orange- und Brauntönen gehalten und vermittelt einen guten Eindruck über die Stimmung des Buches. Im Vordergrund ist ein Spalt zwischen zwei Felsen zu sehen, im Hintergrund eine Stadt. Dazwischen scheint sich eine Wüste und Steppe zu erstrecken. Direkt am Anfang des Buches gibt es noch eine Karte der Welt. Dies ist eine nette Zugabe, da man so einen guten Überblick über die Welt erhält.

Inhalt

Tarik van Cohen möchte nichts sehnlicher, als endlich zur Prüfung zum Jäger zugelassen werden. Er möchte unbedingt ein Gnadenbringer werden, so wie seine Schwester und sein Vater, die allerdings beide auf der Jagd gestorben sind. Sein Vater hat dabei durch sein Handeln die Familie entehrt und so muss Tarik nicht nur darum kämpfen gut genug zu sein, sondern auch die Kommission davon überzeugen ihm trotz der Familiengeschichte die Chance zu ermöglichen. Das einzige verblieben Familienmitglied ist sein kleiner Bruder Quirin. Um diesen kümmert sich Tarik trotz aller Probleme, die er verursacht, liebevoll und gewissenhaft. Doch Quirin steckt in größeren Schwierigkeiten, als Tarik ahnt.

Zitat des Buches

„Natürlich. Denk nach, hinterfrage, nimm nicht hin, was dir von oben zum Fraß vorgeworfen wird, und du wirst schneller zum Rebell, als dir lieb ist. Du magst das Wort nicht? Nun, die wenigsten sind stolz darauf, als Rebell bezeichnet zu werden. Die Wahrheit allerdings ist, dass neue Ideen stets eine Rebellion bedeuten. […]“

Kritik

Das Buch bietet einen sehr guten Einstieg in die Thematik. Zunächst werden aus einem fiktiven Lehrbuch der Aufbau einer Wyvernjagd erklärt und sogleich im Prolog sehr lebendig und detailreich beschrieben. Somit ist man sofort damit vertraut und fragt sich nach dem Grund für die Jagd. Im verlauf der Geschichte folgt man mit wenigen Ausnahmen entweder Tarik oder seinem jüngeren Bruder Quirin. Veronika Serwotka ist es sehr gut gelungen zwei Hauptfiguren zu erschaffen, die sich zwar nahestehen, aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Art und ihren Motiven öfters in die Quere kommen. Das Schicksal der beiden ist elegant miteinander verknüpft. Die Motive sind nachvollziehbar. Vor allem hat mich die Tiefe der beiden Hauptfiguren beeindruckt. Selbst zum Ende des Buches entdeckt man neue Charakterzüge, die einen überraschen und die Geschichte in eine neue Richtung treiben können. Neben den beiden Hauptfiguren sind auch alle anderen Figuren stimmig und ausreichend detailliert beschrieben. Eine Nebenhandlung folgt dem Barden Fyrndolf. Diese lässt viele Fragen offen und hat (noch) keine wirkliche Bedeutung für die Geschichte. Hier erhoffe ich mir noch mehr für die weiteren Teile.

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Er ist flüssig, modern und sehr lebendig. Die Beschreibungen haben es sofort geschafft Bilder vor meinem inneren Auge zu erschaffen. So wurde ich gänzlich in die Welt hineingezogen und hätte mir manchmal gewünscht die ein oder andere Ecke von Canthar noch entdecken zu dürfen. Es wird komplett auf Magie und große Kampfszene verzichtet. Dennoch entsteht nie Langeweile oder der Eindruck, es fehlt irgendetwas. Die vielen kleinen Konflikte und Probleme, die es zu lösen gibt erzeugen genügend Spannung um den Wunsch aufkommen zu lassen, das Buch möglichst schnell zu Ende lesen zu wollen.

Auch für Freunde der Romantik hat dieses Buch etwas zu bieten. Die Beziehung zwischen Tarik und der Tochter des Bürgermeisters schafft es, den noblen Charakter Tariks vollends darzustellen und bietet einen tollen Kontrast zur sonst eher rauen und konfliktgeladenen Welt des Tarik van Cohen. Besonders positiv möchte ich daran anmerken, dass sie sich gut in die Geschichte einpasst und nicht den Eindruck erweckt nur aus dem Zwang heraus, eine Romanze zu benötigen, geschrieben worden ist.

Der Schluss ist für jeden Leser grausam. Nicht weil er nicht gelungen wäre, sondern weil er perfekt gelungen ist. Die Story hat gerade Fahrt aufgenommen, da endet auch schon das Buch. Es sind so viele Fragen plötzlich aufgeworfen worden, die nach Antworten schreien. Diese werden aber erst mit dem Band 2 oder gar erst im dritten Band beantwortet werden. Und so heißt es nun warten auf das nächste Buch.

Die Karte kann leider ihre volle Wirkung nicht ausspielen. Da die Geschichte bis auf eine kurze Ausnahme ausschließlich in und um Canthar spielt, bleiben weite Teile des Landes ungenützt. Die Karte lässt aber vermuten, dass wir in den weiteren Bänden noch mehr von der Welt erkunden dürfen.

Fazit

Ich kann Wyvern – Das Streben des Jägers bedenkenlos weiterempfehlen. Es ist ein tolles Buch, das beim Lesen viel Spaß gemacht hat. Vor allem der rebellische Quirin ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Wer auf moderne Fantasy steht, wird daran große Freude haben. Gerade den Schluss hätte man schöner nicht gestalten können und ich kann es kaum erwarten bis ich den nächsten Teil der Trilogie lesen darf. In der Zwischenzeit kann man sich selbst überlegen, wie es wohl weiter geht.

Ich gebe dem Buch 5 von maximal 5 Punkten, da es mich restlos begeistert hat.

Eine neue Welt entsteht (Teil III)

Mittlerweile ist die Welt in ihren Grundzügen erschaffen. Dazu wurden Völker in diese gesetzt. Zuletzt wurde das Aussehen der von der Bevölkerung geschaffenen Welt und die Gesellschaftsform näher beleuchtet. Sehr eng damit verbunden ist die Frage nach Religion. Religion hat in der Geschichte der Menschheit eine wichtige Rolle gespielt. Und egal ob man nun gläubig ist oder nicht, verdanken wir viele unserer modernen Grundwerte der Religion. Schon in der Steinzeit spielte Glauben eine wichtige Rolle. Bis heute faszinieren die Menschen auch (vermutlich) religiöse Schreine aus der Vergangenheit, wie das Stonehenge in England. Glauben übernimmt in jeder Gesellschaft eine wichtige Rolle und so ist es nicht verwunderlich, dass in den verschiedenen Kulturkreisen sich verschiedene Religionen entwickelt haben und wir heute mehr denn je eine Auswahl an verschiedensten Glaubensansätzen haben. In meinen Augen bietet die Religion zwei wichtige Aspekte für eine Gesellschaft, völlig unabhängig ob es sich dabei um die Antike oder Moderne oder um welchen Kulturkreis es sich handelt.

Zum einen liefert Glauben häufig eine Erklärung für Dinge, über die man nichts weis. Dabei gehen viele Religionen auch noch heute auf die Entstehung der Welt und die Schaffung des Menschen ein. Doch die Erklärungsansätze gehen weit darüber hinaus. Was passiert nach dem Tod? Gibt es etwas wie eine Seele? Werden unsere Taten zu Lebzeiten bewertet von einer höheren Macht? All diese Fragen sollten auch in der Religion für eine Fantasywelt geklärt sein für den Autor, denn sie beeinflussen das Verhalten der Bewohner. Fürchtet man den Gott/ die Götter, da sie einen bestrafen, wenn man jemanden Unrecht zufügt, so wird die Hemmschwelle größer sein. Und genau hier kommen wir zum zweiten Punkt. Glauben liefert ein Wertesystem, bzw. Die Grundlage für ein solches. Viele unserer Werte, gehen auf den Glauben, im speziellen bei uns auf die Bibel und die Zehn Gebote zurück. Meist sind wir uns dessen aber gar nicht bewusst. Aber Jahrhunderte lang wurden diese Werte in der Kirche gepredigt, dass sie sich fest in unserem Weltbild gefestigt haben und heute nicht mehr wegzudenken wären. Änderung dieser alten Ansichten dauern oft Jahrzehnte und gehen nur sehr langsam voran. So dauerte es zum Beispiel sehr lange, bis Frauen die gleichen Rechte in der Gesellschaft erhalten haben wie Männer. Und die Akzeptanz in der gesamten Gesellschaft dauerte nochmals viel länger und ist noch immer nicht voll abgeschlossen. Dies ist nur ein Beispiel, wie groß der Einfluss von Religion noch in unserer Welt ist. Allerdings gibt uns Glauben auch die Möglichkeit Dinge moralisch zu bewerten. Dies ist gerade für Fantasieren ein wichtiger Faktor. Nur durch moralische Bewertung kann man etwas dem Bösen oder dem Guten zuordnen. Da in Fantasy aber genau der Kampf zwischen diesen beiden Positionen im Mittelpunkt steht, bedarf es, das die Bewohner Dinge bewerten und diesen Parteien zuordnen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Monotheismus oder Polytheismus handelt. Hier hat der Autor freie Auswahl und kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Zwangsläufig wird er sich aber an irgendeiner Religion orientieren, schon allein deswegen, weil dann im Roman keine langen Erklärungen nötig sind sondern nur im Rahmen der Geschichte kurze Erwähnungen ausreichen um ein realistisches Bild zu übermitteln. Dies reicht meines Erachtens vollkommen aus. Natürlich besteht die Möglichkeit, verschiedenen Völkern verschiedene Religionen zu spendieren. Dies bedeutet weiteres Potential für Konflikte. Und ein Roman lebt von Konflikten.

Ein mit der Religion verwandtes Thema ist Magie. Für mich stellt sie einen wichtigen Bestandteil eines High Fantasy Werkes dar. Religion bietet einen möglichen Ansatzpunkt. So können Götter einem Wesen die Gunst der Magie gewähren. Genauso kann es aber auch sein, dass Magie die Verehrung alter Naturgeister oder der Elemente bedarf. Auch dies ist eine Form von Religion. Die letzte weit verbreite Option ist eine alte, vergessene und sehr mächtige Sprache, die der Schlüssel zur Anwendung von Magie ist. Diese Sprache ist meist eine alte Elbansprache oder gar die Sprach der Götter.

Neben der Frage, wie wirkt man Magie muss geklärt sein, wer kann alles Magie verwenden und wie stark ist die Magie. Gibt es schwache Fähigkeiten, die jeder erlernen kann oder kann jeder auch die mächtigste Zauber wirken oder sind nur wenige Wesen Magiebegabt? Zudem ist es wichtig, welches Ansehen Magie genießt. Wenn sie verboten ist, kann ein Held nicht wild durch die Gegend laufen und überall Magie wirken. Doch selbst wenn sie erlaubt und gern gesehen wird, ist der Spannungsbogen schnell zerstört, wenn sich jedes Problem in Sekunden mit Hilfe der Magie lösen lässt. Somit ist es wichtig sich Gedanken darüber zu machen, wie Magie beschränkt wird, sodass es logisch und schlüssig erscheint, warum der Hauptkonflikt nicht mit einem einfachen Zauber gelöst wird. Das bedeutet, auch das Wirken von Magie muss Kraft kosten. Zudem darf in meinen Augen der Einsatz nie ohne Risiko sein und er sollte einen Preis kosten. Dies kann alles mögliche sein, zum Beispiel könnte ein Mensch mit jedem Zauber, den er wirkt, ein Stück seine Menschlichkeit verlieren. Das Risiko könnte darin bestehen, dass die Wirkung von Magie nicht vorhersehbar ist und man, obwohl man nur gute Absichten hegt, mit ihr Schreckliches anrichte kann. Je mächtiger ein Zauber ist, umso unvorhersehbar ist seine Wirkung. In meinen Augen ist Magie ein zweischneidiges Schwert. Richtig dosiert erhöht es den Flair einer Fantasywelt. Wer über das Ziel hier hinausschießt, zerstört aber die Magie der Welt!

Wenn man nun all die Fragen, die ich die letzten Wochen aufgeworfen habe, für ich geklärt hat, erhält man ein gutes Grundgerüst für seine Welt. Natürlich ist es auch abhängig vom eigenen Stil, inwieweit man dies alles im Vorfeld festlegt. Mir hilft es aber, sich über diese Punkte im Klaren zu sein.