Eine neue Welt entsteht (Teil II)

Weltenbau ist ein sehr zeitintensives und umfangreiches Unterfangen. Neben der geographischen Gestaltung bedarf es weitaus mehr. Es muss eine kurze Geschichte über die Entwicklung der Welt geben, verschiedene Völker müssen entworfen werden, die Frage der Religion und Sprache geklärt werden. Zudem muss geklärt werden, wie weit ist der technische Fortschritt und wie ist bzw. sind die Gesellschaft(en) aufgebaut. All diese Punkte müssen ein stimmiges Bild abgeben und auch mit der geographischen Welt harmonieren. Ich kann keine Welt erschaffen, die nur Reisen zu Fuß kennt, mehrere tausend Kilometer weit ist und in der mein Held von einem Ende bis ans andere in wenigen Stunden reisen muss. Doch ein Schritt nach dem anderen.

Als erstes habe ich Leben in meine Welt gebracht. Hierbei hatte ich die Auswahl aus klassischen Fantasyvölkern und der Möglichkeit eigene zu erschaffen. Zu den klassischen Völkern zählen neben Menschen Zwerge, Elben oder Elfen und Orks. Sicherlich kann man noch über das ein oder andere Volk streiten, aber bei den genannten dürfte große Einigkeit herrschen. Auch bei mir halten diese vier Völker Einzug in die Welt. Allerdings habe ich versucht jedem eine etwas individuelle Note zu geben. So sind zwar die Grundzüge jedem bekannt und der Leser trifft auf etwas vertrautes. Allerdings wird es ihn hoffentlich nicht langweilig werden, weil er mit einigen Details überrascht wird und eine persönliche Note erkennt. Diese halte ich für unabdingbar um die Völker in mein Szenario einzupassen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, die Völker in verschiedene Gruppen oder Stämme zu unterteilen. Diese können dann auch wieder untereinander verfeindet sein und Potential für Konflikte bieten. Daneben habe ich mich auch versucht noch ein fünftes Volk nach eigenen Vorstellungen zu implementieren. Über dieses möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nichts weiteres verraten. Etwas Spannung soll ja noch bei euch bleiben.

Jetzt, da die Völker in der Welt umherziehen ist es wichtig sich Gedanken zu machen, wer beherrscht welches Gebiet. Wer ist mit wem verfeindet oder befreundet? Wer dominiert momentan in der Welt und warum? Fragen über Fragen also. Diese sind natürlich in Berücksichtigung auf den Plot zu klären. Unabdingbar hierfür halte ich es , sich Gedanken über die Geschichte der Welt zu machen. Wie in der realen Welt sind viele Konflikte über Jahrzehnte gewachsen und haben sich dann im Laufe der Zeit immer weiter verfestigt und hochgeschaukelt. Somit sollte man meines Erachtens einen mehr oder weniger kurzen Zeitablauf erstellen, was in der Welt schon alles geschehen ist bis zum Punkt an der die Story beginnt. Dies hilft auch im späteren verlauf erheblich, wenn man verweise auf bedeutende historische Ereignisse Bezug nimmt. So kann man vermeiden sich irgendwann selbst zu widersprechen und die innere Logik beizubehalten. Natürlich muss man nicht alles einzeln ausformulieren. Stichpunkte reichen oftmals dazu aus. Wer jedoch Lust daran hat, kann hier schon einen sehr umfangreichen Text erschaffen. Gerade Tolkien hat hier viele Geschichten über Mittelerde verfasst, die im Vergleich zu seinen anderen Werken eher unbekannt sind. So teilt er die Geschichte Mittelerde in große Zeitabschnitte, die Zeitalter ein. Den Übergang in ein neues Zeitalter wird durch ein bedeutendes Ereignis ausgelöst, wie zum Beispiel Der Auszug der Elben aus Mittelerde zum Ende des dritten Zeitalters.

Nach den Völkern und den Beziehungen untereinander ist es Zeit sich Gedanken über das Erscheinungsbild der durch die Völker geschaffenen Gesellschaft zu machen. Als erstes habe ich die Frage der Herrschaftsform aufgeworfen. Hier gibt es aus der Menschheitsgeschichte ein breites Angebot, von Tyrannei bis Demokratie kann man sich hier austoben. Für das Böse wird oftmals die Form des Tyrannen gewählt. Dies unterstütz das menschliche Denken, da Tyrannen für uns von Kindesbeinen an als schlecht und böse gelten. Da meist die Welt feudalistisch geprägt ist, findet auch die Monarchie Einzug in die Welt. Diese eignet sich für alle Völker gleichermaßen. Besonders fortschrittlichen oder freiheitsliebenden Völkern kann man auch eine Demokratie spendieren. Natürlich gibt es zwischen diesen drei Formen zahlreiche Abstufungen. Hier gilt es sich genau zu überlegen, wie weit man gehen möchte. So kann die Wahl der richtigen Herrschaftsform einen Spannungsbogen vervollständigen, aber auch durch endlose politische Verwirrungen aufblasen und im schlimmsten Fall durch Langeweile zerstören. Deshalb erachte ich diesen Punkt als äußerst wichtig in den Überlegungen.

Neben der Herrschaftsform gibt es aber noch weitere Dinge. Wie leben grundsätzlich die Menschen? Meist gibt es wenige sehr große Städte und die Mehrzahl der Bevölkerung lebt auf dem Land. Aber auch hier kann man natürlich von der Norm abweichen, wenn es eine gute Begründung gibt. Gibt es eine Währung in der Welt, wie zum Beispiel Münzen, Gold oder ähnliches? Wie weit ist die Architektur? Was für individuelle Stile gibt es und welche Bauwerke aus welchem Material errichte die Völker? Wie schaut sie Ernährung aus Betreiben vielleicht schon manche Völker Viehzucht oder gibt es Fleisch nur von der Jagd? Wie kleiden sich die Bewohner? Was für Rohstoffe gibt es, welche Bedeutung und welchen Wert haben sie und wie sind sie verteilt? Eine asymmetrische Verteilung von strategischen Rohstoffen fördert Konflikte. Welche Waffen gibt es und wie schaut das Militär aus? All diese Fragen scheinen auf den ersten Blick relativ irrelevant für die Geschichte. Ich halte es dennoch für wichtig sich darüber als Autor kurz Gedanken zu machen und diese zu notieren. Denn nur wenn ich die Welt selber gut genug kenne, kann ich ein in sich stimmiges Bild dieser Welt an meine Leser vermitteln.

Was nun noch fehlt, sind die Gedanken über Religionen und eine Schöpfungsmythos innerhalb dieser, Magie und die Verteilung von Gut und Böse. Diese werde ich euch nächste Woche präsentieren.

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